Zwei Stunden sitzen für eine Schale Tee

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Letzte Woche war ich in Berlin und habe bei Herrn Tan Kutay an einer japanischen Teezeremonie teilgenommen. Mich hatte diese Art der Teezeremonie schon seit Jahren fasziniert – spätestens seit dem Film „Die Geisha“ (übrigens ein sehr empfehlenswerter Film!). Wirklich befasst mit dem Thema habe ich mich dann aber tatsächlich erst, nachdem ich mich bei „Tee Feinkost Tan“ in der Crellestrasse 7 in Berlin angemeldet hatte.

Tan Kutay hält regelmäßig japanische Teezeremonien in seinem kleinen und sehr süßen Teeladen ab. Da seine vier Gäste alle Jungfrauen auf dem Gebiet waren, nahm er sich sehr viel Zeit, uns die Philosophie und die Abfolgen während der Zeremonie zu erklären.
Zwei Stunden sitzen für eine Schale Tee. Das ist anstrengender als ich gedacht hätte. Tan Kutay lehrt die Teezeremonie nach Ueda Sôko Ryû. Diese wird mittlerweile auch außerhalb Japans unterrichtet, um die Tradition am Leben zu erhalten. Wie Tan uns berichtete, war die Teezeremonie schon in Gefahr auszusterben, weil sich niemand mehr groß dafür interessierte. Somit wurde es essentiell wichtig, das Wissen auch außerhalb Japans weiterzugeben.
Die japanische Teezeremonie ist eng mit dem Buddhismus verknüpft. In buddhistischen Klöstern ist die Teezeremonie ein fester Bestandteil des täglichen Klosterlebens und ein wichtiger Teil der Meditation.
Und nach zwei Stunden in Tan’s Teeladen musste auch ich feststellen, dass die Teezeremonie tatsächlich etwas sehr beruhigendes und meditatives hat. Es geht viel darum, den Moment wahrzunehmen, die täglichen Sorgen einmal draußen zu lassen und sich voll und ganz auf die Zeremonie zu konzentrieren. Die langsamen und streng festgelegten Bewegungen und Abfolgen haben etwas beruhigendes und das Schweigen während der Zeit etwas angenehmes.
Trotzdem war ich froh, als ich nach zwei Stunden wieder raus in die pulsierende Hauptstadt entlassen wurde. Aber diesmal vielleicht ein wenig entspannter…

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